Archiv für den Monat: Juni 2014

Blaue Pfützen

FroschWo das Ich hier gestern, oder auf jeden Fall irgendwie früher, noch über Zauberer und Hochstapler sprach, wird es jetzt, oder auf jeden Fall irgendwie später, ein wenig erschüttert vorgefunden werden. Es befragte, es stand ein und es wurde – immer schön folgerichtig – Anklage erhoben. Plötzlich fand es sich – am eigenen Schopf geschleudert – zwischen dem Tiger und der tätowierten Dame wieder. Und die Landung war nicht weich. Irgendein Bühnenbildner hat vergessen, den Misthaufen an die richtige Stelle zu rollen. Und so trafen sich Pflasterstein und Schwerkraft auf erstaunlich vorhersagbare Weise und bildeten einen blauen Fleck. (Der Pointe willen einer, der aufgrund seiner Lage nur verstohlen gerieben werden kann.) Hier an dieser Stelle sei gesagt, in tiefer Freundschaft zu der oben bezeichneten Dame und mit Angst vor dem Streifentier, daß eben jene Umrisse nun ewiglich auf der Haut stehen bleiben. Und die vorher mit Kugelschreiber gemalten Bildchen werden dem Regen preis gegeben. Das Kaninchen fraß nicht den Zylinder, sondern das Kabel – das falsche, denn Kaninchen sind farbenblind – und die blöde Uhr beginnt erneut (keine Zeit, keine Zeit) abwärts zu zählen.

Zeichen und Wunder, vielleicht

KanienschenDas Atelier Schweinfurt und Grün und somit der Arbeitsplatz der Fuchs ist für die nächtsten Wochen ein Teil von Signs und Wunder.

Mist, jetzt habe ich meinen Zylinder vergessen. Oder das weiße Kaninchen hat ihn aufgefressen. Was ganz schön schlau von ihm wäre. Also dem Kaninchen. Meine Bezüge sind noch nicht so sauber heute. Kein Waschtag. Darf ein Zauberer seine Tricks verraten? Der da neben mir wohl nicht, das hat er geschworen, irgendwie, irgendwo und auf irgendetwas Heiliges, wobei ich ja noch nicht mal wüßte, ich wüßte ja nicht, was dieses Heilige wäre, das meinen Schwur bände – also bin ich in diesem Spiel wohl doch der Hochstapler, der seinen Trick zu oft benutzte und daher ins Gefängnis mußte. Dort wird er (bei Brot und Wasser) immer und immer und immer wieder gefragt, warum ihm die Leute, die Menschen da draußen nur geglaubt haben, warum die vielen Frauen ihn liebten und ihm Geld gaben, warum bloß, so, wie er nun da sitzt auf dem am Boden verschraubten Stuhl, mit seinem kleinen, schwabbeligen Bauch und dem fettigen Haar und den tapsigen, feuchten Händen? Wo ist der Zauber versteckt? Warum bluten seine Hände nicht? Was er wohl versprochen hat? Den Damen den Teufel oder dem Teufel die Damen? Ob seine Seele dabei, nein, meine Seele, von der ich auch nicht weiß, ob sie einen Schwur bände, (Heinrich fragen, der hat Erfahrung mit solchen Bändern), nein, andersherum, ob seine Seele auch auf dem Spiel stand? Doch seine, meine, deine kleine Seele will eh keiner haben, eh keiner haben, haben will man die nicht. Habenichtsseelchen. Aber psst – so tun als ob, nicht vergessen, immer den Schein waren, es sollen doch schon Könige darauf reingefallen sein. Vielleicht wird es ja bei ausreichender Behauptungslage doch noch wahr. Aber dann müßte ich ja an Zeichen und Wunder glauben. Und anders als Thomas, der Umkipper, bin ich da nicht so leicht zu überzeugen. Einige der Besucher werden in einem schwarzen Wagen (ja, Gondeln und so) durch die Straßen vor meinem Fenster gefahren. Kein Witz, ein scharzer Charon oder so. Womit sie wohl bezahlt haben, da Goldmünzen hier doch eher selten zu bekommen sind? Zu Alice sagt das Einhorn jetzt doch schon etwas eindringlicher: „Wenn Du mich für wirklich glaubst, werde auch ich dich für wirklich glauben.“ Aber jeder Lügner weiß: Zuviele Wiederholungen machen die Sache unglaubwürdig.

Also, wird das passieren, wenn hinein statt hinaus geblickt wird?