Salz und Hefe

Salz und HefeIm Norden, wo die Wolken vom Wind über den Himmel getrieben werden, und sich ihre Schatten auf dem Sand mit meinen Schritten mischen, hier im Norden lege ich meine Hummeln ab. Es ist ihnen zu windig. Es riecht nach Salz, und die feuchte Luft würde ihr feines Fell verkleben. Und so laufe ich, in schwarzes Ölzeug gekleidet, doch eigen nackt durch diese Luft. Neben mir läuft der Handschuhsucher und trägt seine Kamera schwer in der Hand. Feiner Sand legt sich auf die Objektive und kuschelt sich in seine Augenbrauen. Doch überfällt er die Welt nicht, versucht nicht, Uneinfangbares einzufangen, sondern fällt in den Sand und legt seine Wange sanft auf ihn, um im Kleinsten und Allerkleinsten zu photographieren, zu zeigen wie sich, an diesem zwischen Wasser und Himmel geduldeten Stückchen Land, die Grenzen zwischen Organischem und Anorganischem aufheben. Er sinkt so regelmäßig auf die Knie, als würde er sich an etwas Altes, sehr Altes erinnern. (Vielleicht war er auch einst ein Alchemist?) Ich suche derweil Steine, die, erstarrt und getrieben, gerieben und poliert, mühsam von Wellen an Land in den Sand getragen wurden. Ich wähle aus, entscheide, wer doch nicht Gleicher unter Anderen, wer erhoben und erwärmt einen Platz in meiner Tasche findet. Und ich werfe wieder fort, enthebe sie meines Blickes und meiner Hand. Lasse sie zurück. Möchte auch Sand sein irgendwann. Ich steige in das Auto, fahre los, die eine, einzige und gerade Straße, will Holz kaufen, oder süßen, klebrigen Kuchen, der nach Hefe und Marzipan riecht. Ich frage mich dann, wie es wäre, diesen Weg jeden Tag zu fahren, das Holz nicht zu kaufen, sondern zu verkaufen, in einer kleinen Hütte vor meinem Haus, und den Kuchen nicht zu essen, sondern meine Hände in den Teig zu tauchen und ihn zu formen. Es ist die schon ziemlich müde gewordene Sehnsucht nach etwas Benennbaren. Meine Hummeln hätten jetzt zornig gebrummt. Aber hier oben fehlen sie mir.