Seekranke Matrosen

IMG_0016Hinter den Abteilfenstern war es diesmal ziemlich voll. Es sind so viele Maschen fallen gelassen worden, mein warmer Pullover ganz löchrig von Welt. Vielleicht aber haben sich einfach Wintermotten unter ihn geschmiegt und meinen Hummeln Konkurrenz gemacht. Zu Alice sagt das Einhorn so ungefähr: „Wenn Du mich für wirklich glaubst, werde auch ich dich für wirklich glauben.“ Solange wir uns gegenseitig bestätigen, bilden unsere Worte eine Achse, um die sich die Welt drehen mag. (Punkt gesetzt am Ende, zögerlich.) Alice trinkt die Flasche trotzdem aus. Ein opiumsüßer Geruch durchdringt den Raum. Hektisch Versuche, ihn wegzuwedeln. Zu riskant, man könnte sich ja als Kreisel wiederfinden, der durch die Welt gepeitscht wird. Dann doch besser behaupten, mit einem Sprung rückwärts über die eigene Schulter, da wäre doch Gold in den Dingen zu finden. Und vergessen, daß die Kathedrale nicht aus Stein, sondern aus Licht gedacht ist. Nenene. So nicht. Rückzieher, auch Fallrückzieher, sind gegen die Regeln. Es ist zu spät, um mit dem Zufall liebzuäugeln. Der Zug ist weg, mit Volldampf. Warum bloß?“ fragen die kleinen, knubbeligen Wesen die Räubertochter, die mit ihrem Fuß in deren warme Stube eingebrochen ist. „Warum denn bloß?“ Die Dämmerstunde ist voller solcher Fragen. Ich habe in ihr eine weinrote Katze gefunden, die linke Pfote samtigbraun. Was ich mit ihr anstellen soll, weiß ich noch nicht. Im Moment spielt sie mit den Löchern in meinem Pullover. Die Züge sind voller seekranker Matrosen, die nach Hause wollen. Ganz grün im Gesicht und die schwarzen Seesäcke riechen salzig und klamm. Sie fahren aus den Bergen, wo sie ihre Schiffe auf Grund gesetzt haben, zurück zur See. Dort trinken sie süßen schwarzen Tee, stricken dicke Pullover und warten auf den ersten Schnee.

Zugfahrt. Im Winter

der Mond – ein bleiches Gesicht

im Schein des Fensters.