Weihnachten (auch jetzt schon)

DSC_0004Wie kommt diese Traurigkeit in die Welt, die einem an einem Samstagnachmittag überfallen kann, aus dem Hinterhalt der Zeit? Ich lade sie zur Teestunde ein und setze ihr oder mir (gehupft wie gesprungen) einen Hut auf. Wenn auch das nichts nützt, dann warte ich einfach auf Weihnachten. Auch jetzt schon. Ich mag Weihnachten. Der heilige Mann neben mir nicht ganz, aber er ist vielleicht auch zu alt, und könnte auch ein Problem mit der Entstehung des Ganzen gehabt haben. Ich glaube nämlich, daß er in Wirklichkeit so alt ist, daß seine Heiligkeit eine ist, die mit Gold und Glanz und Tempeln zu tun hat – und nicht mit Stroh und so. Manchmal rieselt auch Wüstensand aus seinen Taschen. So kann er sich jedoch selten Verlaufen. Er muß nur rückwärts über Sand gehen, um wieder zu Hause zu sein. Wobei da das Problem mit dem Strand und dem Meer wäre. Aber wer weiß. Ich baue gerade an einer Krippe, schnitze die Figuren aus dem Holz meines alten Schreibtischbeines, mit feinen scharfen Messern. Ich habe mich dabei schon das ein oder andere Mal geschnitten, so daß an einigen Stellen die Maserung blutrot leuchtet. Ich schnitze, und die Reihenfolge dabei ergab sich aus dem Tischbein, das sich nach unten verjüngte: Ein Baby (rund), drei Schafe (klein, mittel, groß), einen Esel (bringt Glück), Josef (alt, gebeugt), die Hirten (jung, ungelenk), einen Ochsen und dann Maria. Maria ist doppelt so groß wie der Rest und etwas eckig, da das Tischbein es so wollte und ich keine Lust hatte, Schicht für Schicht des harten Holzes abzutragen und mich dabei noch mehr zu schneiden. Also sitzt Maria nun rund und dick und zugegebenermaßen etwas gewaltig geraten neben der Krippe, den kleinen, gebeugten Josef neben sich und grinst. Das mit dem Grinsen kann man mir nicht anlasten, oder nur wenig, denn ich kann beim Schnitzen nur zwei Formen von Mund machen. Grinsend oder tot. Und da habe ich mich für grinsend entschieden, auch bei Schafen, Ochse und Esel. Eine Gesellschaft, die sich um eine Krippe aus einer Seifenschale schart (geblümt), in dem ein Stück angerundetes Holz liegt (klein kann ich auch wirklich nicht so gut) und wie blöde grinst. Vielleicht sollte ich ihnen Teetassen in die Hände drücken. Teetassen nehmen dem Ganzen seine Absurdität. Mein Zylinder sitzt heute so was von schief.